Aktive Jugendarbeit am Stadttheater PforzheimSo begeistert man den Theaternachwuchs für die Bühne
Mit seinem vielfältigen und aktiven Mitmach-Angebot ist das Stadttheater Pforzheim ein absolutes Vorbild in Sachen Jugendarbeit, von dem andere Bühnen viel lernen können.
In den meisten Theatern kann man ein altbekanntes Phänomen beobachten: Die Zuschauer vergreisen. Während immer mehr ältere Menschen zu den regelmäßigen Besuchern zählen, können viele Bühnen nur mit geringem Erfolg Jugendliche in ihre Häuser locken. Heutzutage reicht es eben schon längst nicht mehr aus, spezielle Jugend-Abos anzubieten, um so dem wichtigen Nachwuchs das Theatergucken schmackhaft zu machen. Und genau das hat man vor einiger Zeit am Stadttheater Pforzheim erkannt. Deswegen setzt das Führungstrio Murat Yeginer (Schauspieldirektor), Gustl Weber (Verwaltungsdirektor) und Markus Huber (Generalmusikdirektor) zusammen mit dem Ensemble und den beiden Theaterpädagoginnen Nicole Dietz und Julia Kuzminska nun auf eine verstärkte Jugendarbeit, die vielfältiger und aktiver gar nicht sein könnte. Erweitertes Standardangebot mit dem „Acht+Club“Natürlich bietet auch das Theater Pforzheim ein Jugend-Abo an. Hinter dem Namen „Acht+“ verbirgt sich nämlich nichts anderes. Hier können Heranwachsende in jeder Spielzeit zwei Musiktheater- und drei Schauspielproduktionen im großen Haus sowie drei Aufführungen im Podium besuchen. Zudem gibt es noch einen Gutschein für ein Sinfoniekonzert im CongressCentrum der Stadt. Mit Preisen zwischen 39,70 und 68,20 Euro ist das Abo recht erschwinglich, aber der eigentliche Clou ist der Club, in dem man dann automatisch Mitglied wird. Der „Acht+Club“ bietet in regelmäßigen Abständen Schauspiel- und Musical-Workshops an, in denen man ausprobieren kann, ob man vielleicht später selbst einmal auf der Bühne stehen möchte. Neben Führungen hinter den Kulissen hat man dann sogar noch die Möglichkeit, bei Aktionen in den Werkstätten dabei zu sein, oder aber mit den Künstlern diverse Partys zu feiern. Hier treffen also Jugendkultur und Theaterarbeit aufeinander und befruchten sich gegenseitig. Kein Wunder, dass das Theater zudem auch noch gezielt Praktika anbietet. So können Teenager dann herausfinden, ob sie vielleicht später einmal selbst Regisseur oder Dramaturg werden möchten. Aktive Bühnenarbeit bei „Stage Enter 14+“Wenn Jugendliche als Schauspieler so richtig Theaterluft schnuppern wollen, dann ist auch das dank der Initiative „Stage Enter 14+“ in Pforzheim kein Problem. In jeder Spielzeit wird ein Theaterprojekt angeboten, welches nach zwei Monaten Probezeit unter professioneller Leitung aufgeführt wird. Nachdem 2009 so „Krabat“ von Otfried Preußler gezeigt werden konnte, soll am 14. April 2010 nun „Die Welle“ von Morton Rhue im Konsumat auf die Bühne kommen. Die Vorsprechen für die Produktion sind bereits vorbei, und Regisseur Ingo Putz, der in dieser Spielzeit unter anderem das neue Stück „Ich, Heinz Erhardt“ von John von Düffel für die Theater in Pforzheim und Oldenburg in Szene setzte, ist mitten in den engagierten Probenarbeiten. Alternativen mit „Jugendclub 13+“ und „Illusionsfabrik 9+“Die Zahl bei „Stage Enter 14+“ wurde von den Theaterpädagogen natürlich bewusst gewählt, denn in so einen intensiven Probenprozess sollten Jugendliche unter 14 Jahren nicht eingebunden werden. Doch auch für jüngere Heranwachsende hat das Stadttheater einiges in petto. Da wäre zum Beispiel der „Jugendclub 13+“, in dem Themen, die die Teilnehmer interessieren, künstlerisch umgesetzt werden können. Auch hier ist die Arbeit nicht umsonst, denn zum Ende der Spielzeit wird die Produktion Eltern, Freunden und Bekannten gezeigt. Kinder unterdessen haben in der „Illusionsfabrik 9+“ alle zwei Monate die Gelegenheit, sich experimentell mit dem Theater an sich auseinanderzusetzen. „Theater-Agenten 13+“ machen Werbung unter GleichaltrigenWas aber, wenn Jugendliche gar nicht aktiv Theater spielen, sondern einfach nur gucken wollen? Selbst daran hat man in Pforzheim gedacht und extra die „Theater-Agenten 13+“ ins Leben gerufen. Hier werden Heranwachsende von den Pädagogen und Dramaturgen mit Begleitmaterial sowie Insider-Informationen zu den einzelnen Produktionen der Spielzeit ausgestattet, die sie dann in ihrer Schule verteilen können, indem sie zum Beispiel selbstständig einen Infostand organisieren. Als Belohnung bekommen alle Theater-Agenten auf jede Vorstellung ihrer Wahl satte 55 Prozent Preisnachlass. Wie man sieht, sind die Möglichkeiten, um Jugendliche ins Theater zu locken und sie auch aktiv daran teilnehmen zu lassen, enorm vielfältig. Man muss sich eben nur fernab der gängigen Marketing-Praxis etwas einfallen lassen. Im Stadttheater Pforzheim hat man das schon längst begriffen. Bleibt nur zu hoffen, dass auch andere Häuser diesem strahlenden Vorbild bald genauso engagiert nacheifern werden.
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